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2016 - vier.fach - noe dokumentationszentrum für moderne kunst - st.pölten

aus der eröffnungsrede von mag. carl aigner


was das licht für das sehen ist, ist die linie für das bild. was aber hat die linie mit dem quadrat zu tun und das quadrat mit der linie?

nein: nicht, weil wir im dezember letzten jahres 100 jahre schwarzes quadrat auf weißem grund bedenken konnten und damit das vielleicht größte bildereignis seit der höhlenmalerei bzw. –zeichnung.

thomas laubenberger-pletzer gibt uns eine antwort darauf: z.b. entwickelt er seine schriftlinien aus dem quadrat – vollständig! und wenn sie nun glauben, das sei halt ein schönes formales spiel, dann werden sie, wenn sie die schriftquadrate zu lesen beginnen, schnell erfahren, dass begriffe wie der platz maidan in kiew auftauchen. und sie werden sehen, wie politisch und subversiv eine quadratische pigmentlinie bei laubenberger-pletzer sein kann!

konstruktivistisch – minimalisierend, reduktiv und damit verdichtend sehen sie das auch, wenn sie seine „fahnenlinienarbeit“ betrachten – wie schnell erkennen sie die jeweiligen nationalitäten der fahnenbilder? diese frage ist kein harmloses spiel – sehen sie in den nahen osten und etwa auf die dramatische flüchtlingssituation – territorium und nationalität brechen auseinander, die multiplizität von staatlich – nationalem überlappt sich unentwegt, das, was lange Zeit, gerade für meine generation, als non plus ultra galt, grenzen durchbrechen, grenzen überwunden werden, wird nun langsam zu einer griechischen gegenwartstragödie!

eindrucksvoll seine figuralen arbeiten, insbesondere sein selbstportrait, das, einem genetischen code gleich sich aus vielen bilderpuzzeln zusammensetzt – das ikon als genetischer code des bildnerischen gewissermaßen. dass er dabei bis hin zu einer einzigen Zeichnung seinen ganzen körper verdichtet, zeigt eine neue art von portrait, in und mit der der einzelne mensch einzigartig ist. Sie haben es erraten: seine dna!

die linie fungiert dabei als dna seiner bilder, ja, die linie IST die dna des bildnerischen! – sein anfang und gleichzeitig sein ursprung, vergessen wir das nicht: so wie in einer dna das ganze leben enthalten ist, ist in einer linie die ganze welt enthalten.

die linie ist bildnerisch grenze und entgrenzung des bildes zugleich, sowohl anthropologisch als auch visuell – mit der linie wird der mensch zu einem homo picturalis.

dies alles und noch viel mehr können sie im werk von laubenberger-pletzer finden, auch wenn sie im ersten moment nur wunderschöne und harmlose graphische spuren zu sehen glauben!

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2017 - thomas laubenberger-pletzer - alexandra kontriner - marco spitzar
galerie artdepot - innsbruck

... thomas laubenberger-pletzer, der zweite im bunde dieser auf grafische arbeiten konzentrierten schau im artdepot, kommt eigentlich aus der bildhauerei, hat er doch bei michelangelo pistoletto in wien studiert. um sich schließlich ganz auf die linie zurückzuziehen, der er, oftmals in seriellen arbeiten, wiederum erstaunlich plastisches entlockt. etwa in einem total reduzierten selbstporträt, das zuerst in einzelteile fragmentiert - und dann wieder zu einem bild verdichtet wurde. das potenzial des spiels mit linie und form zeigt sich aber vorallem auch in der sammlung von schachtelumrissen, in die der gebürtige kitzbüheler wie auch in anderen arbeiten schrift und text miteinbezieht. ...

ivona jelcic - tiroler tageszeitung - 25.2.2017

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... auch wenn seine arbeiten in ihrer nüchternheit fast streng wirken, liegt in dieser strenge magie. der kitzbüheler geht in seinen reduktionen bis an die grenzen. die versucht er geschickt auszuloten. und in diesem ausloten betritt er neues terrain. durch überlagerungen der einfachsten grundkomponenten ergibt sich zudem überraschendes, unerhofftes. ...

moni brüggeller - aus: der reiz der gegenüberstellung - kronenzeitung - 22.2.2017

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2017 - inn her alp - galerie im andechshof - fördergalerie der stadt innsbruck
einzelausstellung

quadratisches mit und ohne sinn

thomas laubenberger-pletzer hat zwar bei michelangelo pistoletto an der wiener akademie der bildenden künste bildhauerei studiert, das, was der in wien lebende gebürtige kitzbüheler derzeit in der innsbrucker galerie im andechshaof zeigt, hat allerdings mit dreidimensionalem absolut nichts am hut. hat der 48-jährige dessen wände doch mit unzähligen kleinen, schwarz gerahmten zeichnungen vollgehängt. zu sehen bwz. lesen sind ausschließlich per schwarzem pigmentliner aus dem quadrat entwickelte kleinbuchstaben, gebaut aus vertikalen und horizontalen linien.

ganz in der manier der visuellen poesie geht es thomas laubenberger-pletzer darum, zustände oder auch farben jeder sinnlichkeit entkleidet zu zeichen zu reduzieren. wörter, die durchaus sinn machen, entstehen auf diese weise, aber auch trotz redlichen bemühens um entschlüsselung viel im rationalen sinn völlig unsinniges. um in der zusammenschau der vielen einzelteile zum spröden muster mit durchaus ästhetischen qualitäten zu werden.

edith schlocker - tiroler tageszeitung - 22.8.2017

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